Kulturwandel ist die grösste Herausforderung für Bimodal

«Culture Eats Strategy For Breakfast» – Unternehmen müssen dieses Thema adressieren um Innovation erfolgreich voranzutreiben. Wir zeigen wie.

Autor:  Alexander Kern

Gartners 2016 CIO Survey bestätigt, was lange vermutet wurde: Kulturwandel birgt die grössten Herausforderungen für Bimodal. Unternehmen müssen dieses Thema adressieren um Innovation erfolgreich in ihrem Unternehmen voranzutreiben. Wir zeigen wie.

Die Gartner 2016 CIO Survey kommt zu einem klaren Ergebnis: Bimodal wird gelebt. Es bringt entscheidende Vorteile. Es ermöglicht Business Innovation. Es erleichtert traditionell risikoscheuen Unternehmen die Handhabung der Ungewissheit, die innovative Vorhaben mit sich bringen. Mode 1 und Mode 2 liefern konkrete Governance-, Risiko- und Kultur-Mechanismen, um Business Innovation parallel zum täglichen Geschäft voranzutreiben. Soweit die gute Nachricht.

Mit der Erfahrung werden auch die Hürden bemerkbar: CIOs wurden gefragt, warum ihr Unternehmen nicht «mehr bimodal» wird (siehe Grafik). 15 % nennen Kultur als Hauptgrund. Addiert man die 6 % Geschäftskultur (‚Business Culture’) hinzu, kommt man insgesamt auf 21 % Prozent. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Umgang mit Legacy Applikationen, die Verfügbarkeit der Ressourcen und die notwendigen Fähigkeiten der Mitarbeiter sind nur die halbe Miete.

Bimodal rüttelt am Status Quo

Alle sind sich einig: Bimodale Initiativen sind ein signifikanter Eingriff in den Status Quo. Traditionelle Unternehmensstrukturen steuern Teams zentral. Die Ausrichtung und Innovationsentscheidungen kommen von oben. Diese Steuerung ist losgelöst von der Ausführung. Das Reagieren auf neue Erkenntnisse aus aktiven Projekten gestaltet sich schwierig.

Notwendige Umstrukturierungen sind schwer umzusetzen. Dabei scheuen sich Teams nicht vor neuer Verantwortung. Das Problem ist das mittlere Management: Es fürchtet um seine Position. Anpassungen an der Unternehmensstruktur droht durch den «Management Permafrost» im Keim zu ersticken.

Analog dazu gibt es traditionelle Anreize: Projekterfolg steht über dem Business Value. Einzelerfolg über dem Teamerfolg. ROI muss im Voraus stichhaltig quantifizierbar sein. Das Risiko wird von Verantwortlichen gescheut – aus gutem Grund: Scheitern gilt es unbedingt zu vermeiden!

Nicht zu übersehen ist der kulturelle Aspekt der gewählten Technologien: Silos erscheinen als Erfolgsrezept. Offene, standardisierte Schnittstellen werden unnötigerweise als Gefahr gesehen. Redundanz als Sicherung des Arbeitsplatzes. Know-how im Bereich proprietärer Technologien als Alleinstellungsmerkmal.

Wenn Bimodal bereits eingeführt ist, entstehen neue kulturelle Herausforderungen: Mode 2 kann schnell zum «Cool-Kid» aufsteigen. Die IT, in der man Karriere macht und mit neuen Technologien arbeitet. Mode 1 droht zum Abstellgleis zu verkümmern.

Kulturwandel fördern

Es gibt gute Rezepte um diese Hürden zu überwinden. Sie fangen bei der Unternehmensstruktur an: Neue Erkenntnisse aus aktiven Projekten müssen umgehend in Innovationsentscheidungen einfliessen. Agile Entscheidungsfindung und Ausrichtung muss im gesamten Unternehmen verankert sein. Das funktioniert nur dann, wenn Führungskräfte auf allen Ebenen Verantwortung auf ihre Teams übertragen. Die Führungskraft agiert nicht mehr in Form von konkreten Anleitungen, sondern setzt Zieldefinitionen und betreut ihre Teams. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass die Übergabe von Verantwortung vor allem dem mittleren Management schwerfällt. Daher muss man im ersten Schritt an dieser Stelle ansetzen. Ein bewährtes Vorgehen: Agile Methoden auch in Prozessen ausserhalb der Softwareentwicklung einzusetzen, dort wo das mittlere Management aktiv eingebunden ist, z.B. bei der Strategieentwicklung oder der Budgetierung. Für Teams aus allen Bereichen gilt: Die volle Unterstützung des Vorgesetzten – bis hin zum CIO – ist wesentlich.

Anreize müssen diese Unterstützung widerspiegeln: Der Teamerfolg steht über allem. Der Erfolg von Einzelpersonen wird nicht honoriert. Ebenso wenig der alleinige Projekterfolg oder die Prozesskonformität. Stellt sich während der Projektlaufzeit heraus, dass es keinen Business Value gibt, wird schnell gehandelt. Ganz nach dem Prinzip: Fail Fast! Für Vorhaben, die Neuland begehen und daher nur schwer mit einem ROI quantifizierbar sind, werden neue Kennzahlen eingeführt. Allen voran eine Bemessung des Risikos, Innovation nicht voranzutreiben.

Die Kollaboration gilt es zu fördern. Führungskräften müssen positive Erlebnisse erzeugen, bei denen die Vorzüge der Kollaboration augenscheinlich werden. Erlebnisse, welche die Werte der Belegschaft positiv beeinflussen. Bei denen gute Zusammenarbeit und die Aufgabe von Barrikaden honoriert werden. Die Dringlichkeit der Kollaboration gilt es auch in der Leistungsbeurteilung festzuhalten, indem man sie um teamübergreifende Bewertungen erweitert. Kollaboration schlägt sich auch bei der technischen Umsetzung nieder: Standardisierte Software, SOA, APIs, Self-Service, Cloud und Microservices ermöglichen Synergieeffekte.

In bimodalen Unternehmen sind Wert und Beitrag von Mode 1 und Mode 2 gleichermassen zu schätzen. In diesem Zusammenhang haben sich Metaphern bewährt. Gartner spricht von Samurais und Ninjas (siehe Blogeintrag). Es sind auch andere denkbar, wie z.B. Klassisches Orchester vs. Jazz Ensemble. Auch hier gilt es positive Anreize für die Kollaboration zwischen Mode 1 und Mode 2 einzuführen.

Der Kulturwandel ist nicht optional!

Der Weg zur Digitalisierung führt über Innovation. Unternehmen aus allen Branchen müssen Neuland betreten. Auch traditionell risikoscheue Unternehmen sind gezwungen, ihre Komfortzone zu verlassen. Bimodal ist ein einfaches Werkzeug zu diesem Zweck. Trotzdem kommt kein Unternehmen an dem Kulturwandel hin zu einem innovationsgetriebenen Unternehmen vorbei. Der Strategie hin zu mehr Innovation bzw. mehr Bimodal ergeht es wie jeder anderen: Sie steht und fällt mit der Kultur.

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«Warum wird ihr Unternehmen nicht ‚mehr bimodal’?». Die Umfrage von 2’944 CIOs in 84 Ländern hat erge-ben: Kulturwandel ist die grösste Herausforderung für Bimodal.