Ökosysteme: eine Frage der Architektur oder Technologie?

Ökosysteme werden in der Wirtschaft beinahe über Nacht erstellt, wo sich die Natur hingegen Jahrhunderte lang Zeit lässt.

Worauf kommt es bei Ökosystemen an? Wie spielen Architektur und Technologie in diesen Hype hinein? Dr. Reto Kohlas, Partner bei ipt und Experte in Ökosystemen, und Otto Bitterli, Inhaber der bi-digital GmbH, zeigen im C-Level-Magazin, welche Rolle die Architektur und die Technologie dabei spielen.

Ökosysteme: Wo stehen wir heute?

Durch die digitalen Möglichkeiten verwischen die Branchengrenzen. Das ist ganz im
Interesse des Kunden, da es ihm das Leben einfacher macht. Gleichzeitig kämpft man im
Unternehmen nach wie vor mit und gegen Silos.

  • Fachkräfte aus mehreren Unternehmen spannen in einem Ökosystem zusammen, um
    anhand von Customer Journey und MVP (Minimum Viable Product) die zukünftigen
    Bedürfnisse des Kunden zu erfassen. Wobei es technologisch möglich wäre, dass der
    Kunde dies selbst gestaltet.
  • Um für die Zukunft, die Welt des Big Data, gewappnet zu sein, bauen Unternehmen
    Data Lakes, während sie die einfachen analytischen Algorithmen selbst nicht kennen.
  • Anstatt die anderen Unternehmen effektiv zu kennen und verstehen, wird sich häufig
    nur auf Management-Ebene über Zuständigkeiten geeinigt.
  • Die IT wird in einigen Unternehmen nach wie vor nur als Cost-Center
    wahrgenommen. Das liegt auch daran, dass sich die IT genauso verhält.
«Dabei können Ökosysteme nur mit den richtigen technologischen Voraussetzungen realisiert werden!»
Reto Kohlas | Otto Bitterli ipt Partner | bidigital GmbH Inhaber

Wie kann Technologie die Realisierung von Ökosystemen unterstützen?

Die Technologie war schon immer der Wachstumstreiber, von der Industrialisierung bis hin zur Digitalisierung. Zwei Ansätze, die Klarheit schaffen:

 

1. Intensivere Kommunikation bedingt eine entsprechende Integration

Eine friktionslose technische Kommunikation und eine sofortige Umwandlung in die Sprache des anderen ist eine unabdingbare Voraussetzung, wie Kohlas und Bitteli aufzeigen. Die Lösung heisst Integration, die schnell, agil und entkoppelt von zentralen Integrationsteams stattfindet. Wie zum Beispiel API und Event-Streaming-Plattformen mit hohem Self-Service-Anteil.

2. Clouds, die faktischen Ökosysteme der Zukunft

Google, Microsoft und Co. werden Algorithmen und Logiken (Services) zur Verfügung stellen, womit unterschiedliche Industrien verknüpft werden können. «Durch die Cloud verbessert sich schlussendlich wiederum die Integrationsfähigkeit eines Unternehmens, da bestehende Prozesse vereinfacht werden können», halten die beiden Experten für Ökosysteme fest.

Wenn sich jedoch nicht nur die Algorithmen, sondern auch die Angebote in das Ökosystem verschieben, besteht die Gefahr, dass sich die grossen Tech-Unternehmen die neuen Geschäftsfelder selber aneignen.

Die IT muss die notwendigen Voraussetzungen für Ökosysteme schaffen

Zurück zur Anfangsfrage: Sind Ökosysteme eine Frage der Architektur oder der Technologie? Sie sind beides.

Um Teil eines Ökosystems zu sein, braucht es die entsprechenden technologischen Voraussetzungen. Ebenfalls sollten die Cloud-Fähigkeiten verbessert werden, durch sammeln von Erfahrungen mit Public Cloud sowie durch klare Vorgaben für die Nutzung in Form von Cloud-Regeln.

Es lohnt sich, die IT-Architektur aus einer strategischen und zukunftsgerichteten Perspektive zu betrachten. Gleichzeitig rückt der technologische Fokus auf das Ökosystem die Zuständigkeiten und politische Fragen in den Hintergrund, wodurch ein wertneutrales Zielbild ermöglicht wird.

Den gesamten Artikel von unserem Partner Dr. Reto Kohlas und dem Inhaber der bi-digital GmbH Otto Bitterli finden Sie jetzt im C-Level-Magazin 9|2020.