Wie am eHealth Summit 2025 deutlich wurde, sehnt sich die Branche nach einer Lösung für die drängendsten Probleme: zu viele Medienbrüche, ineffizientes Kopieren und Einfügen von Daten und ein hoher Anteil an manueller Arbeit prägen den Alltag in Praxen und Spitälern.
Wünsche der Stakeholder und die Rolle der KI im Gesundheitswesen
Die Forderungen der verschiedenen Akteure an DigiSanté sind klar und einheitlich. An oberster Stelle stehen:
- die Standardisierung von Gesundheitsdaten und deren Schnittstellen
- die Umsetzung des Once-Only-Prinzips (die Notwendigkeit, Daten nur einmal zu erfassen) und
- eine tiefe Integration in die Primärsysteme, um durchgängige, digitale Prozesse zu ermöglichen.
Künstliche Intelligenz (KI) wird dabei als wichtiger Lösungsbaustein angesehen. Sie zeigt ihr Potenzial bereits bei der Analyse von Röntgenbildern oder EKGs, wo die Datenlage klar und die Ergebnisräume begrenzt sind.
Forschungsergebnisse des Inselspitals zeigen jedoch auch die Grenzen auf: Bei komplexen Notfallsituationen mit vielfältigen Ursachen oder bei der Vermeidung von Fehldiagnosen konnte KI bisher keine Verbesserung gegenüber dem Referenzwert von 12.5 % erzielen.
Ein konsequentes Monitoring von KI-Lösungen und deren Effizienz sind entscheidend, um unser Gesundheitswesen nachhaltig zu entlasten.
Interoperabilität und Cybersecurity als fundamentale Basis für die Digitalisierung des Gesundheitswesens
Die grössten Hürden auf dem Weg zur Digitalisierung sind nicht technologischer Natur. Um Interoperabilität – also die Fähigkeit, Daten zwischen Systemen und Institutionen nutzbar zu machen – zu ermöglichen, stellen die politischen Rahmenbedingungen sowie organisatorische Aspekte die eigentliche Herausforderung dar.
Während sich das BAG um die gesetzlichen Voraussetzungen kümmert, braucht es die Mitarbeit der ganzen Branche, um den Change-Prozess zu stemmen, Datenstandards zu adoptieren und neuartige Lösungen zu etablieren.
Denn bei der Digitalisierung geht es nicht darum, bestehende Prozesse einfach digital zu gestalten, sondern mit neuartigen Denkweisen und Technologien die Branche zu transformieren.
Der sichere Umgang mit unseren Gesundheitsdaten ist und bleibt ein zentrales Element. Während heutzutage jede Institution dutzende von Applikationen einzeln schützen muss, soll in Zukunft eine Grundinfrastruktur zur Verfügung stehen, die sich beispielsweise um die übergreifende Authentifizierung und Authorisierung kümmert.
Auch sonst hat sich im Bereich Cybersecurity bereits viel getan. Mit der Gründung des Healthcare Cyber Security Center wurde eine wichtige Plattform für den Wissensaustausch zwischen den Spitälern geschaffen.
Und das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit hat sich ausführlich mit dem Testen von Spital IT-Systemen auf Schwachstellen befasst und dabei wichtige Erkenntnisse zu Tage gefördert.
Unsere Studie über die Digitalisierung im Gesundheitswesen
Im Sommer 2025 haben wir uns intensiv damit beschäftigt, was für die digitale Transformation des Schweizer Gesundheitswesens nötig ist. Dafür haben wir insgesamt mit 23 Expert:innen aus der Branche gesprochen.
Alle unsere Erkenntnisse kannst du dir in unserer Studie anschauen.

Die digitale Zukunft des Gesundheitswesens ist vielversprechend
Die Zukunft liegt in unseren Händen. Insbesondere mit der konsequenten Umsetzung von Lösungen wie dem Elektronischen Patientendossier (EPD) und dem Swiss Health Data Space (SwissHDS).
- Das EPD wird als zentrale Ablage für Gesundheitsdaten wahrgenommen, kämpft aber noch mit mangelnder Unterstützung durch die IT-Systeme der Ärzte.
- Der SwissHDS soll als Herzstück von DigiSanté die Leitlinien für den sicheren und standardisierten Datenaustausch nach dem Data-Mesh-Prinzip sicherstellen.
Der Erfolg von DigiSanté wird einerseits davon abhängen, ob es gelingt, die politischen und organisatorischen Weichen richtig zu stellen und sinnvolle verbindliche Standards konsequent durchzusetzen. Andererseits ist aber auch die Branche in der Pflicht, die Chance zu packen, Standards umzusetzen und langjährige Prozesse neu zu denken.
Über Silvan Tschopp
Ich bin Principal Consultant bei ipt und leite das Branchenteam Gesundheitswesen. Aktuell leite ich ein Architekturmandat beim BAG zur Erneuerung der Plattform für übertragbare Krankheiten.

Über Lukas Bieri
Ich bin Principal Architect bei ipt und begleite die DigiSanté-Initiative des BAG. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens liegt mir besonders am Herzen.

