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10.10.2025

Insights & Trends vom Swiss Cloud Native Day 2025

Der Swiss Cloud Native Day 2025 in Bern hat einmal mehr gezeigt, wie dynamisch und vielfältig das Cloud-Native-Ökosystem ist.

IT-Experten von ipt, Wolfgang Vigl, Michael Fritsche, Jakob Beckmann und Selim Kälin, präsentieren ihre Insights vom Swiss Cloud Native Day 2025 in Bern.

Wir haben unsere Experten Michael Fritsche (MFR), Jakob Beckmann (JBE), Selim Kälin (SKA) und Wolfgang Vigl (WVI) gefragt, welche Themen sie am Swiss Cloud Native Day 2025 inspiriert haben, wie Unternehmen Cloud-Native-Technologien heute einsetzen und welche Learnings für unsere Kund:innen in der Schweiz besonders relevant sind.

Was war am Swiss Cloud Native Day 2025 am inspirierendsten und welche Relevanz haben sichere und skalierbare Plattformen in der Praxis?

MFR: Mich hat vor allem die unglaubliche Bandbreite an Themen rund um Cloud Native beeindruckt. Von Methoden zum Proben von Ausfallszenarien, über Freizeit-Kubernetes-Cluster-Bauer:innen, bis hin zu automatisierten Compliance-Prüfungen. 

Sichere und skalierbare Plattformen gewinnen weiter an Bedeutung. Sie entlasten die Entwickler:innen, übernehmen viele operative Aufgaben und sorgen dafür, dass Workloads auch bei einer steigender Anzahl Nutzer:innen oder saisonalen Schwankungen zuverlässig laufen.

 

JBE: Besonders spannend fand ich die Diskussionen über neue Runtimes. Die Zukunft wird vermutlich nicht mehr exklusiv auf Container setzen, sondern unterschiedliche Runtimes für verschiedene Workloads nutzen, wie zum Beispiel Wasm für Functions oder Firecracker VMs für isolierte Workloads. 

Das macht Plattformen skalierbarer, erhöht aber auch die Komplexität. Ausserdem entwickelt sich Kubernetes klar als de-facto-Plattform für KI-Workloads, was für die flexible Nutzung von GPUs sehr relevant ist.

 

SKA: Für mich war der Beitrag zur Swiss Cloud Native Farm am inspirierendsten. Es zeigt, wie viel Innovationskraft in kleinen Projekten stecken kann, selbst für sehr alte Probleme. Auch die Sessions zur Utilization-Optimierung (z. B. beim CERN) und leaneren Deployments wie Wasm waren spannend. 

Gerade im Kontext von exponentiell wachsender Rechenleistung durch KI sollten wir uns überlegen, wie wir Energie, Kosten und Emissionen minimieren können und die Load so gering wie möglich halten.

 

WVI: Besonders inspirierend fand ich, wie sich die Komplexität einer unternehmensweiten CI/CD-Plattform für eine grosse Zahl von Teams erfolgreich beherrschen lässt. SAP zeigt, wie kuratierte Templates einen zentralen One-Stop-Shop für die Teams bieten und gleichzeitig die Wartung für Pipeline-Maintainer deutlich vereinfachen. 

Kubernetes Custom Resources ermöglichen die flexible Abbildung unternehmensspezifischer Ressourcen, auch ohne bestehende Provider. Zusammen mit Custom Operators lassen sich der gewünschte (Desired) und der aktuelle (Actual) Zustand steuern, Fehler automatisch beheben und Rollbacks sicher durchführen. Durch eine Verschachtelung von Ressourcen und Operatoren ist das System erweiterbar, ohne dass es zu einem Wildwuchs an Templates kommt. 

Insgesamt war das für mich ein praxisnaher Gegenpol und eine sinnvolle Ergänzung zu bereits etablierten Setups – vor allem, wenn höhere Domänenlogik und echter Self-service gefragt sind.

Wo stehen Unternehmen heute beim Einsatz von Cloud-Native-Technologien für sichere und skalierbare Plattformen?

MFR: Viele Unternehmen haben bereits erste Workloads in die Cloud oder auf skalierbare Plattformen gebracht. Trotzdem gibt es noch viel ungenutztes Potenzial. Immer wieder stolpert man über extrem unternehmenskritische Legacy Systeme, die auf irgendeinem (zum Teil) nicht mehr aktualisierbaren Server im Keller stehen. 

JBE: Die Unterschiede könnten kaum grösser sein: Manche Unternehmen, wie das CERN, optimieren ihre Kubernetes integrierte GPU-Auslastung, andere fangen gerade erst an, Kubernetes standardmässig aufzubauen. Es zeigt, wie unterschiedlich der Reifegrad in der Schweiz ist.

WVI: Man merkt, wie breit Cloud-Native hinsichtlich der eingesetzten Prozesse, Tools und Praktiken ist. Die Herangehensweisen fallen sehr unterschiedlich aus: von ersten Kubernetes-Piloten bis zu reifen Plattform-Teams mit GitOpsSRE und Chaos Engineering. 

Das Umfeld entwickelt sich schnell weiter, so verspricht bspw. Wasm in Kubernetes starke Performance- und Effizienzgewinne, ist aber in vielen Bereichen noch nicht produktionsreif. 

Welche Learnings oder Impulse nehmt ihr vom Swiss Cloud Native Day mit, die für unsere Kund:innen in der Schweiz relevant sind?

MFR: Chaos Engineering ist eine wertvolle Ergänzung für moderne DevOps-Teams. Es ist nicht überall sofort umsetzbar, aber eine gute Möglichkeit, das Team gezielt herauszufordern. Auch Compliance muss heute nicht mehr zwingend langwierig und manuell erfolgen. Mit den richtigen Tools lassen sich Prüfungen automatisiert dokumentieren.

JBE: Unternehmen, die sich kontinuierlich mit dem sich wandelnden Cloud-Native-Ökosystem auseinandersetzen, haben die besten Chancen. Sie erfahren frühzeitig von neuen Möglichkeiten, lernen aus den Erfahrungen anderer Unternehmen und minimieren das Risiko, den Anschluss zu verlieren.

SKA: Cloud ist mehr als nur Infrastruktur. Schweizer Unternehmen können aktiv zur Community beitragen, Innovation treiben und dadurch langfristig Wettbewerbsvorteile schaffen.

WVI: Der Swiss Cloud Native Day ermöglicht es ebenso, aus Fehlern anderer zu lernen, konkret am VSHN Case. Ein Minor-Update einer Abhängigkeit kann ungeplant hunderte produktive Datenbanken löschen. 

Die Konsequenzen für die Praxis sind klare Change Controls mit Vier-Augen-Prinzip, Staging und Canary Releases, eine strikte Begrenzung des Blast Radius sowie nachvollziehbare Rollbacks. Glücklicherweise haben in diesem Fall belastbare Backup- und Restore-Strategien mit definiertem RPO und RTO sowie regelmässige Recovery-Tests Schlimmeres verhindert.

Swiss Cloud Native Day 2025: Unsere 5 Handlungsempfehlungen für Schweizer Entscheider:innen

  1. Effizienz als KPI verankern: Energie- und Ressourceneffizienz messen und steuern.
  2. Reifegrad prüfen und ausbauen: Je nach Stand – von Piloten bis zu reifen Plattform-Teams – den nächsten sinnvollen Schritt gehen. Mehr dazu im Platform Engineering Maturity Model.
  3. Chaos Engineering einführen: Teams gezielt herausfordern, um Systeme belastbarer zu machen.
  4. KI-Workloads einplanen: Kubernetes für GPU-intensive Workloads frühzeitig einführen, um technologische Vorsprünge zu sichern.
  5. Self Service und Automatisierung fördern: Plattformen entlasten Entwickler:innen und steigern Geschwindigkeit, Sicherheit sowie Innovationskraft.

Fazit zum Swiss Cloud Native Day 2025: Chancen für Schweizer Unternehmen

Der Swiss Cloud Native Day 2025 hat verdeutlicht: Cloud-Native ist kein «One size fits all»-Ansatz, sondern ein Baukasten, der flexibel genutzt werden muss. Ob Runtimes, Plattform-Sicherheit, Effizienz im KI-Zeitalter oder resiliente CI/CD-Prozesse – die Themen sind hoch relevant für Unternehmen in der Schweiz.

Wer jetzt in sichere, skalierbare Plattformen investiert und sich kontinuierlich mit den Entwicklungen auseinandersetzt, schafft die Basis für nachhaltige digitale Innovation.

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