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05.11.2025

UXCON Insights: KI, Accessibility & UX

Die UXCON in Wien gilt als wichtiges Barometer für Trends zu Design und Research zur User Experience. Wir erklären die wichtigsten Learnings für die Schweizer IT-Landschaft.

Manuel Szecsenyi und Orhan Sari, IT- und UX-Experten von ipt, präsentieren Insights der UXCON Wien 2025.

Unsere Experten Manuel Szecsenyi und Orhan Sari waren vor Ort. Im Interview teilen sie ihre Insights zur Rolle von KI in der User Experience und verraten, warum Barrierefreiheit jetzt zur Chefsache wird.

Ein Gespräch mit unseren Experten Manuel Szecsenyi und Orhan Sari über die wichtigsten Entwicklungen im Frontend- und UX-Bereich, geführt von Anne Scott.

 

Manuel (MSZ) ist ein versierter Full-Stack-Architekt, der nicht nur moderne Cloud-Native-Lösungen implementiert, sondern auch die strategische Weichenstellung in Projekten grosser Institutionen verantwortet. 

Seine Expertise reicht von der Konzeption komplexer Microfrontend-Architekturen über die Moderation fundierter UX-Workshops bis hin zur Gestaltung ansprechender und funktionaler User Interfaces.

 

Orhan (OSA) ist UX- und Frontend-Experte an der Schnittstelle von Design und Code und nutzt seine Erfahrung, um durchdachte User Experience zu schaffen und diese mit modernen Frontend-Technologien zum Leben zu erwecken. 

Er beherrscht den gesamten UX-Prozess: von der Konzeption und dem UI/UX Design komplexer Software bis hin zur performance optimierten Umsetzung für kritische Projekte. 

Was fällt besonders bei der Auseinandersetzung mit Frontend und UX auf?

MSZ: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen UX-Researchern, Designer:innen, Accessibility-Expert:innen und Entwickler:innen wird immer enger. Was sich wie ein roter Faden durchzieht, ist Accessibility. Sie ist überall präsent und fast so sichtbar wie KI in der Tech-Welt.

OSA: Für mich ist das zentrale Learning: «Design not only for users – design with users.» Accessibility ist keine technische Disziplin, sondern ein gemeinsamer Gestaltungsprozess. Sie beginnt beim Zuhören, nicht beim Code.

Warum ist das Thema Accessibility für UX gerade so wichtig?

MSZ: Durch die neue EU-Gesetzeslage seit 2025 (European accessibility act) wird Accessibility zum zentralen Standard. Es wird nicht nur als gesetzliche Pflicht, sondern als Qualitätsmerkmal angesehen.

OSA: Viele glauben, mit einer Checkliste sei ihre App barrierefrei. Echte Accessibility zeigt sich aber erst beim Testen mit realen Nutzern in realen Szenarien.

Wie sieht die Rolle von KI im Design-Bereich von UX aus?

OSA: KI ist im UX-Bereich noch nicht so weit, wie viele glauben, aber sie wird unsere Arbeitsweise fundamental verändern. Nicht «KI ersetzt Designer», sondern «KI verändert, wie wir gestalten.»

MSZ: Im UX-Bereich ist KI noch stark gehypt. Die Tools haben Potenzial, sind aber oft noch nicht praxistauglich genug.

OSA: Entscheidend ist, dass KI nur so gut designen kann, wie wir sie trainieren. Wenn unsere Daten nicht divers oder inklusiv sind, reproduziert KI bestehende Barrieren. Unsere Aufgabe wird es sein, KI mit Empathie und Ethik zu lenken.

Wie wird KI den Design-Prozess verändern?

OSA: Es geht nicht nur um Tools und Prozesse, sondern darum, wie Inhalte künftig dargestellt werden. Durch generative Modelle entstehen völlig neue Möglichkeiten, wie kontextabhängige, personalisierte, dynamisch aufbereitete Informationen. 

Wie KI Einfluss auf Layouts, Bildsprache oder Informationsarchitektur nimmt, wird noch zu wenig diskutiert. Dabei wird genau das unser Verständnis von Design fundamental verändern.

Wie kann «Shift Left» im UX-Design konkret umgesetzt werden?

MSZ: Wir gestalten über den Idealfall hinaus. Teams identifizieren bewusst, wo Features scheitern könnten. Wir lösen diese Probleme somit schon im Designprozess und nicht erst nach dem Go-Live.

OSA: Genau, Shift Left ist entscheidend. Nutzer frühzeitig einbeziehen, statt erst zu testen, wenn das Produkt fertig ist. Das macht den Entwicklungsprozess effizienter und das Ergebnis besser.

Was bedeuten die UX-Entwicklungen für komplexe IT-Umgebungen im B2B-Bereich?

MSZ: B2C Applikationen investieren Millionen in UX. Im Enterprise-Bereich wird das oft übersehen. Jedoch können wir mit guter UX, Incidents reduzieren und Arbeitsprozesse beschleunigen. Nutzer:innen erwarten heute im Büro die gleiche Qualität wie privat. Wenn Enterprise-Software altmodisch wirkt, entsteht Frustration.

OSA: KI wird im Unternehmens-Kontext wichtig, als Werkzeug zur Unterstützung. Sie kann repetitive Aufgaben reduzieren und Inhalte dynamisch anpassen. Entscheidend ist der verantwortungsvolle Einsatz.

UX in der Zukunft: Was verändert sich gerade grundlegend?

MSZ: B2B-Anwendungen werden sich wie B2C-Produkte messen lassen müssen, also mit quantitativen Metriken. UX und Performance sind keine Add-ons mehr, sondern Grundvoraussetzungen.

OSA: Die Zukunft des Frontends ist konversationell. Wir browsen weniger, wir chatten mehr. Online-Shops werden Plattformen, wo man fragt: «Was ziehe ich zur Geburtstagsparty an?» und daraufhin kontextbezogene Antworten erhält.

Was sollten Entscheider:innen in Bezug auf UX, Accessibility und KI konkret als nächstes angehen?

MSZ: Frontend-Entwicklung hat direkten Einfluss auf Produktivität und ROI, auch bei internen Tools. Die Investition in UX ist keine Kostenstelle, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Shift Left spart langfristig Kosten.

OSA: Denkt bei der nächsten Produktentwicklung von Anfang an in interdisziplinären Teams. Frontend ist mehr als die ​​«Oberfläche». KI, Accessibility und moderne Architekturen sind Investitionen in Produktivität. 

Der Fokus sollte auf der Zusammenarbeit zwischen Design, Entwicklung und Content liegen. Wer jetzt handelt, setzt die Standards von morgen.

 

Vielen Dank für diese konkreten Empfehlungen!

Manuel Szecsenyi

«Mit klarer UX lassen sich Incidents reduzieren, Einarbeitungszeiten verkürzen und Arbeitsprozesse beschleunigen.»

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Orhan Sari

«Die Zukunft des Frontends ist konversationell! Wir browsen weniger, wir chatten mehr.»

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