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23.01.2026

API Trends 2026: Ein Lagebericht zu Agentic AI, MCP und modernen APIs

Agentic AI: Warum KI-Agenten in regulierten Branchen oft scheitern. Rik de Graaff über Learnings der API Days Paris und die Hürde API-Design.

Rik de Graaff, IT-Experte von ipt, spricht über API Trends im Kontext von Schweizer Unternehmen in regulierten Branchen

Agentic AI war das zentrale Thema der API Days in Paris: KI-Agenten steuern Prozesse, koordinieren Versicherungen. Wir haben mit unserem Experten Rik de Graaff über die Bedeutung für regulierte Umfelder, die Substanz hinter dem Trend und gutes API Design gesprochen.

Rik ist ein erfahrener Software-Engineer, der die Brücke zwischen komplexer Software-Architektur und praktischer Cloud-Implementierung schlägt. Mit seinem Fokus auf Cloud Native Integration und modernes API-Design unterstützt er Unternehmen dabei, starre Altsysteme in skalierbare, effiziente digitale Ökosysteme zu verwandeln.

Hype vs. Realismus: Wie ist die aktuelle Stimmung im API-Ökosystem in Bezug auf KI-Agenten?

Man muss hier zwei Welten unterscheiden. Auf der einen Seite haben wir den typisch amerikanischen Hype, wie ihn Steve Lucas von Boomi präsentierte: Er erwartet Milliarden aktiver KI-Agenten innerhalb eines Jahres, die alle auf APIs angewiesen sind. 

Das klingt erst einmal plausibel, da wir künftig erwarten werden, alles über KI erledigen zu können, statt zum Hörer zu greifen.

Auf der anderen Seite steht der nüchterne Realismus von Ross Mason, dem Gründer von Mulesoft. Er betont, dass Menschen heute noch sehr viele Lücken in unperfekten Systemen überbrücken, was KI in komplexen Enterprise Umgebungen derzeit noch nicht leisten kann. 

Unternehmen werden wohl mindestens drei Jahre für die nötige organisatorische Umstellung brauchen, bis KI wirklich Fuss fassen kann.

Was bedeuten diese Entwicklungen rund um APIs für Unternehmen in der Schweiz?

Nichts tun und abwarten ist keine Option, da die APIs und die Organisation vorbereitet sein müssen. 

Auch Expert:innen bei unseren Kund:innen im Versicherungswesen sind mittlerweile überzeugt, dass man sich jetzt rüsten muss. 

Auch wenn KI-Agenten laut Gartner erst in 2029 den «Slope of Enlightenment» erreichen werden, zeigen pragmatische Ansätze bereits heute den Weg auf.

Das MCP Protokoll: Ein neuer Standard für den Kontext von APIs?

Das Model Context Protocol (MCP) dominiert aktuell die Diskussion. Ich gehe davon aus, dass wenigstens der Name bleiben wird, auch wenn sich das Protokoll selbst noch stark verändern könnte. 

Fast alle Hersteller:innen von API Gateways arbeiten bereits an MCP Gateways. Aber man muss ehrlich sein: MCP einzuführen ist der einfache Teil, die eigentliche Knochenarbeit bleibt nach wie vor ein sauberes API Design.

Wie verändert sich das API Design für die Ära der KI-Agenten?

Hier findet ein grundlegendes Umdenken statt. Bisher haben wir viele kleine, technische Endpunkte gebaut. KI-Agenten denken aber nicht in technischen Abläufen, sondern in fachlichen Ergebnissen.

  • Klassischer Ansatz: Einzelne Aufrufe wie POST /orders, danach POST /approve und schliesslich POST /pay.
  • Agentischer Ansatz: Ein einziger, fachlich grobgranularer Endpunkt wie POST /procurement/fulfill-order.

 

APIs müssen künftig semantisch bedeutungsvoller werden. Schnittstellen, die nicht als klares Produkt gestaltet sind, werden von KI-Agenten in Zukunft schlicht ignoriert.

Sicherheit und Verantwortung: Welche Risiken bringt die Nutzung von KI-Agenten?

Die Sicherheit wird durch Agentic AI exponentiell schwieriger und die Verantwortlichkeiten sind noch völlig unklar. 

Wenn ein KI-Agent im Namen von Endkund:innen eine Transaktion ausführt, stellt sich also die Frage, wer dafür verantwortlich ist, dass wirklich im Interesse der Kund:innen gehandelt wurde. Sind es die KI Anbieter:innen, die API Anbieter:innen oder doch die Kund:innen selbst?

Positiv ist, dass API Gateways anfangen, KI erfolgreich für die Bedrohungserkennung einzusetzen. Technologisch gibt es spannende Fortschritte: IBM hat beispielsweise einen neuen Gateway in Rust geschrieben, der extrem klein und schnell ist.

Praxis Check: Was kommt als Nächstes bei APIs?

Mein Fazit ist: APIs werden bald exponentiell wichtiger, auch für kleinere Firmen. Anforderungen an APIs verändern sich von rein technisch zu einem Produktgedanken mit Mehrwert für die Zielgruppe. 

Wir bleiben pragmatisch und fokussieren uns mit unseren Kund:innen auf zwei konkrete Vorhaben:

  1. GraphQL: Ein führender Schweizer Versicherungskunde prüft derzeit, ob GraphQL für die eigenen System Layer APIs sinnvoll ist, da Federation hier grosses Potenzial bietet.
  2. MCP Pilot: Wir pilotieren derzeit mit einem Kunden ein konkretes Projekt, bei dem die Dokumentation bestimmter externer APIs als MCP Server direkt in Copilot eingebunden werden soll.

 

Wer jetzt das Fundament im API-Design legt, eine API-Strategie aufbaut und seine Schnittstellen fachlich schärft, sichert die Anschlussfähigkeit für die nahe Zukunft.

Dabei müssen Entscheider:innen drei kritische Punkte auf dem Schirm haben:

  1. Geschwindigkeit ist alles: KI-Agenten agieren um ein Vielfaches schneller als Menschen. Langsame, teure Aufrufe von Kernsystemen sind in dieser neuen Welt «tödlich» für die Performance.
  2. Architektur-Anpassung: Damit Daten schnell genug verfügbar sind, gewinnt die Datenreplikation durch Event Streaming massiv an Bedeutung.

 

Vorbereitung statt Abwarten: Auch wenn wir erst in 2029 wirklich anfangen, reife AI Agenten zu sehen, müssen Organisationen jetzt bereit sein. Wir pilotieren deshalb bereits konkret die Einbindung externer API-Dokumentationen als MCP-Server in Copiloten, um praktische Erfahrungen zu sammeln und notwendige organisatorische und architektonische Auswirkungen frühzeitig auf dem Schirm zu haben.

Über Rik de Graaff

Ich vereine Software-Architektur mit Cloud-Native-Integration. Mit modernem API-Design transformiere ich Altsysteme in skalierbare, effiziente digitale Ökosysteme.

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