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02.04.2026

KubeCon 2026: Warum digitale Souveränität und KI die Plattformen prägen werden

Auf der KubeCon 2026 wurde deutlich: Digitale Souveränität und KI sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern zentrale Treiber für moderne Plattformarchitekturen.

Jakob Beckmann, IT-Experte von ipt, teilt die wichtigsten Erkenntnisse von der KubeCon 2026 in Amsterdam.

Die diesjährige KubeCon in Amsterdam zeigt eine klare Verschiebung im Cloud-Native-Ökosystem: Themen wie digitale Souveränität rücken ins Zentrum, während gleichzeitig die Integration von KI die Anforderungen an Plattformen grundlegend verändert. 

Besonders das grosse Interesse am Open Sovereign Cloud Day unterstreicht, wie stark Europa und die Schweiz daran arbeiten, technologische Unabhängigkeit aufzubauen und kritische Systeme resilienter zu gestalten.

Doch zwischen Vision und Realität besteht weiterhin eine Lücke: Während das Ökosystem rund um Kubernetes und KI rasant wächst, stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, diese Entwicklungen pragmatisch und mit klarem Fokus umzusetzen. 

Gemeinsam mit Jakob Beckmann (JBE) werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Erkenntnisse der KubeCon – und darauf, was CIOs und Platform Owner jetzt konkret tun sollten. Das Gespräch führte Noemi Haag, Marketing & Communication und Lead Digitale Souveränität gemeinsam mit Jakob Beckmann.

Was sagt es über die Entwicklung von Cloud-native aus, dass Digitale Souveränität ein so grosses Thema an der KubeCon war?

JBE: Ich war sehr erstaunt über das grosse Interesse am Open Sovereign Cloud Day. Fast den ganzen ersten Tag habe ich dort verbracht und war beeindruckt, wie engagiert die Teilnehmenden waren. Ich hätte nicht gedacht, dass eine von Amerika getriebene Foundation einen solchen Fokus setzt. 

Aber hier ist vermutlich schon das erste Missverständnis. Europa contributed ungefähr ähnlich viel wie die USA zu CNCF Projekten (Cloud Native Computing Foundation). Somit kann man wirklich nicht sagen, dass die Foundation nur von Amerika getrieben wird.

Das starke Interesse zeigt, wie wichtig Souveränität für die EU und die Schweiz ist. Es gibt noch viel zu tun und zu lernen, aber der Wille, aktiv etwas zu bewegen, ist deutlich spürbar. Foundations wie NeoNephos schaffen die technologische Basis für offene Cloud-Lösungen, und grosse Institutionen wie das deutsche BWI setzen bereits auf solche Ansätze. 

Die Industrie in Europa und der Schweiz wird zunehmend in diese Richtung gehen, um Abhängigkeiten bei kritischen Systemen zu reduzieren und stärker auf Open Source zu setzen.

Gleichzeitig fehlt es teilweise noch an echter «Hands-on Mentality». Viele Unternehmen verlieren sich in theoretischen Konzepten oder versuchen, ihre gesamte Organisation souverän zu gestalten. Viel wichtiger ist es, sich auf die kritischsten Punkte zu konzentrieren und dem Prinzip «Progress over Perfection» zu folgen: Denn kleine, konkrete Schritte führen langfristig zum Erfolg.

Was bedeutet die zunehmende KI-Integration konkret für moderne Plattformarchitekturen?

JBE: Ich sehe hier zwei Aspekte, die man separat betrachten sollte. Der erste betrifft die Art und Weise, wie Plattformarchitekturen KI-Inferenz-Workloads künftig bereitstellen und managen müssen. Der zweite fokussiert darauf, wie KI selbst genutzt werden kann, um direkt mit einer Plattform zu interagieren.

Der erste Aspekt ist schon seit mehreren Jahren ein zentrales Thema in der Kubernetes-Community und im gesamten Cloud-Native-Ökosystem. Es wird massiv in Kubernetes als Fundament für das Management von KI-Workloads investiert – und das zeigt Wirkung: Rund 60 % aller KI-Workloads weltweit laufen mittlerweile auf Kubernetes. 

Die Tools sind allerdings noch nicht vollständig ausgereift, daher wird weiterhin stark in neue Projekte investiert, häufig unterstützt durch Big Tech wie Nvidia oder Google. Hier passiert momentan das meiste im Ecosystem.

Der zweite Aspekt ist deutlich neuer: Agentic AI ermöglicht es, dass KI-Agenten direkt mit Plattformen interagieren, um operative Aufgaben zu unterstützen – ein Konzept, das man als «Agentic Ops» bezeichnet. 

Erste Produkte wie HolmesGPT oder Kubernetes MCP Server Implementierungen zeigen erste Use Cases, auch wenn diese noch recht einfach sind. Ich glaube, es wird noch lange dauern, bis solche Agenten wirklich autonome, komplexe Probleme lösen können. 

Dennoch können KI-Systeme heute schon menschliche Operatoren unterstützen, zum Beispiel bei Datenanalyse oder der Aufbereitung von Informationen für betriebliche Entscheidungen. Unternehmen mit hohen Betriebskosten für ihre Plattformen sollten überlegen, in diese Richtung zu investieren, um langfristig Effizienz und Skalierbarkeit zu steigern.

Gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was an der KubeCon 2026 präsentiert wurde, und der Realität unserer Kund:innen?

JBE: Man muss hier zwischen zwei Arten von Präsentationen unterscheiden. Einige zeigen neue Produktentwicklungen und die neuesten, «bleeding edge» Aspekte des Ecosystems – auf diesem Level sind fast keine unserer Kund:innen aktiv. Andere Präsentationen hingegen zeigten eher die alltägliche Nutzung von Tools, um konkrete Probleme zu lösen. Bei diesem Ansatz ist die Diskrepanz zur Realität unserer Kund:innen vergleichsweise klein: Schweizer Grossunternehmen liegen hier ungefähr auf dem gleichen Stand wie andere Unternehmen weltweit.

Was mich allerdings überrascht hat, ist, dass unsere Kunden in der Schweiz tendenziell grössere Plattformteams haben als viele andere. Es scheint, dass der Fokus stärker auf dem Betrieb liegt und weniger auf der Weiterentwicklung der Plattformen selbst. 

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber insgesamt investieren viele Unternehmen noch zu wenig in die Weiterentwicklung ihrer Plattformen. Langfristig führt das zu hohen Betriebskosten und teilweise sehr grossen Teams, die dadurch weniger agil arbeiten können.

Was ist die zentrale Erkenntnis für CIOs und Platform Owners der KubeCon 2026?

JBE: Investiert in das Ecosystem! Das bedeutet nicht nur, Systeme zu nutzen, sondern aktiv an deren Weiterentwicklung mitzuwirken. Das kann unterschiedliche Formen haben: End-User-Communities beitreten, Events besuchen oder Fixes direkt upstreamen. 

Der Austausch innerhalb der Community ist entscheidend, um Know-how aufzubauen, zu erhalten und aktiv mitzugestalten. Leider betreiben nur wenige Firmen in der Schweiz dies aktiv. Dabei zeigt sich klar: Wer es tut, spielt auf einem ganz anderen Level mit und ist deutlich weiter.

Über Jakob Beckmann

In meiner Rolle als Principal Architect bei Innovation Process Technology treibe ich die Einführung sicherer und skalierbarer Cloud-Native-Plattformen voran. Meine Expertise umfasst Systems Engineering mit einem starken Fokus auf Kubernetes, Automatisierung und Secrets Management. Zudem sehe ich sehr grosses Potential für Open-Source als Pfeiler für digitale Souveränität.

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