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22.04.2026

Moderne Datenplattformen für Schweizer Finanzinstitute, geht das?

Von Datensilos zur 360-Grad-Sicht: Was Schweizer Finanzinstitute von der re:invent 2025 lernen können.

Andri Lareida, IT-Experte von ipt, erklärt die Herausforderungen und Chancen von Datenplattformen im Finanzwesen.

Im Dezember letzten Jahres fand in Las Vegas die re:invent 2025 mit mehr als 60'000 Besucher:innen statt. Auf der Hausmesse von Amazon Web Services (AWS) drehten sich über 3'500 Sessions um aktuelle Themen wie IT-SicherheitMigration und Modernisierung von IT-Systemen, Datenplattformen und künstliche Intelligenz

Aus den diversen Präsentationen zum Aufbau einheitlicher und sicherer Datenplattformen stach eine besonders hervor: Die Rocket Gruppe erzählte, wie sie ihr Geschäft mit einer modernen Datenplattform optimiert hat. Aber ist das, was in mehr als 9'000 Kilometern Entfernung präsentiert wurde, überhaupt relevant für Schweizer Unternehmen in stark regulierten Branchen? 

Die Bedeutung von Datenplattformen für Finanzinstitute am Beispiel der Rocket Group

Die Rocket Gruppe wurde vor mehr als 40 Jahren in Detroit gegründet und ist inzwischen Amerikas grösste Anbieterin von Hypotheken. Im Vortrag From fragmented to unified platform: Rocket Companies data and Al journey spricht Garima Sharma (Vice President Engineering, Rocket) die Bedeutung einer zentralen Datenplattform an, durch welche Daten zwischen verschiedenen Organisationseinheiten geteilt werden können. Diese erlaubt Innovationsvorhaben und ermöglicht unternehmerisches Wachstum. 

 

Herausforderungen im Umgang mit Daten

Sharma sprach drei unterschiedliche Herausforderungen im Umgang mit Daten an, die Rocket in der Vergangenheit gehabt hat:

  • Silos und doppelte Daten: Teams arbeiteten unabhängig an verschiedenen Projekten und dies führte dazu, dass gleiche oder ähnliche Daten redundant in verschiedenen Unternehmensbereichen existierten.
  • Datenermittlung: Mit der gestiegenen Anzahl an Daten wurde es deutlich schwieriger und zeitaufwendiger, die richtigen Daten für die jeweiligen Use Cases zu finden.
  • Ungenutzte Datenbestände: Initiativen rund um Analytics oder Machine Learning haben nur einen kleinen Anteil der vorhandenen Daten genutzt und eine unternehmensweite Nutzung relevanter Unternehmensdaten hat nicht stattgefunden.

 

Eine Datenplattform mit AWS als Lösung

Die Lösung für Rocket war ein zentraler Data Lake, der auf technologischen Standards, einer definierten Data Governance und einer umfassenden Datenverschlüsselung basiert. Zum damaligen Zeitpunkt wurden 10 Petabyte (PB) an Daten gespeichert und heute sind es bereits über 30 PB an Daten, die Rocket in ihrer Datenplattform verwaltet. 

Über die neue Datenplattform war Rocket in der Lage, vollständige 360-Grad-Sichten aufzubauen. Dies geschah zuerst für ihre Kund:innen, später auch für Hypotheken und Transaktionen. Daneben gab es weitere Veränderungen und silobasiertes Wissen wurde zum Beispiel durch definierte Datenprodukte ersetzt. 

Das Zusammenspiel mit Partner:innen wie Redfin oder Mr. Cooper profitierte ebenfalls von der neu geschaffenen Datenplattform. Abschlüsse, die vorher typischerweise mehrere Wochen gedauert hatten, konnten nun innerhalb von 3 Tagen erledigt werden. 

Technisch erlaubt die Plattform nun, Themen wie künstliche Intelligenz und Data Analytics zu skalieren. 210 ML-Modelle und mehrere tausend Daten-Pipelines laufen hochautomatisiert auf der Plattform, die eine Kombination zwischen AWS-nativen Services, wie AWS Glue oder Amazon S3, und Software-Angeboten, wie Qlik Replicate, ist.

Herausforderungen und Chancen von Datenplattformen für Schweizer Finanzunternehmen

ipt hat bereits mehrere cloud-basierte Datenplattformen für Schweizer Kund:innen in regulierten Geschäftsbereichen gebaut und wir haben dabei immer wieder dieselben Herausforderungen, aber auch Chancen, angetroffen.

Das Beispiel von Rocket beweist, dass AWS die Technologie bietet, um skalierbare Datenplattformen beliebiger Grösse zu bauen. Die Technologie ist für erfolgreiche Vorhaben jedoch alleine nicht ausreichend. 

 

Regulatorische Vorgaben: Compliance als Qualitätsmerkmal

Der Aufbau einer Datenplattform in der Schweiz erfordert ein tiefes Verständnis des regulatorischen Rahmens. Compliance ist in diesem Kontext nicht nur eine Eigenschaft der Software, sondern das Ergebnis einer sorgfältig geplanten Architektur und operativer Exzellenz. 

AWS übernimmt Verantwortung für die Sicherheit und Compliance (SOC2, ISO27002) der Infrastruktur und bereitgestellten Services. Daneben bietet AWS die Werkzeuge (Policy as Code, Encryption mit Customer Managed oder Owned Keys), damit Schweizer Finanzinstitute ihrer regulatorischen Verantwortung gerecht werden können.

 

Kulturelle Transformation durch die Datenplattform

Der technologische Sprung von einem Data Warehouse (strukturiert, konstant) zu einem gut organisierten Data Lake (semistrukturiert, flexibel) oder Lakehouse muss von der Organisation mitgetragen werden, da er auch kulturelle Änderungen mit sich bringt. 

Wir sehen oft die Ablösung eines Data Warehouse durch ein Lakehouse in Kombination mit einem Data MeshFür die Mitarbeitenden bedeutet das neben der neuen Technologie auch eine komplett neue Art, mit Daten umzugehen. 

Wo früher nur strukturierte Daten verarbeitet wurden, kommen plötzlich auch semistrukturierte oder ganz unstrukturierte Daten an. Daneben ergeben sich mit der technologischen Weiterentwicklung auch neue Rollen wie die des Data Owners und damit einhergehende Verantwortlichkeiten. 

 

Organisatorische Evolution: von zentral zu verteilt

Die Erfahrung zeigt, dass ein zentrales Data-Team zum Flaschenhals werden kann, wenn es von Anfragen überrollt wird. Der Data-Mesh-Ansatz bietet eine elegante Lösung für dieses Problem und bringt gleichzeitig neue Herausforderungen mit sich. 

So sind die Fachteams plötzlich für die Aufbereitung ihrer Daten verantwortlich und müssen die neuen Tools und Regeln der Datenplattform erlernen. Ein Lösungsansatz für dieses Problem ist, ein «Enablement-Team» zu bilden, das eng mit den Fachteams zusammenarbeitet und ihnen Starthilfe in der neuen Data-Mesh-Welt gibt.

 

Data Governance nicht als Blocker, sondern als Enabler

Data Governance regelt alle Aspekte einer Datenplattform: Wie Daten entstehen, wer zugreifen darf, welche Daten es gibt, und so weiter. Wenn die Governance schlecht gestaltet ist, wird sie zum Blocker einer Datenplattform. Umgekehrt kann sie die Datennutzung beflügeln und als Enabler für das Geschäft dienen, wie im Fall von Rocket eindrücklich gezeigt wird.

 

 

Kommen dir diese Herausforderungen auch bekannt vor? Seid ihr noch am Überlegen, wie ihr euer Data Warehouse modernisieren wollt? Das Beispiel von Rocket zeigt, dass es auch in stark regulierten Branchen wie der Finanzindustrie möglich ist, aus Daten Mehrwert zu schaffen. 

Lokale Unternehmen wie SWICA oder SIX haben sich ebenfalls bereits auf den Weg gemacht und nutzen Cloud-basierte Datenplattformen, um ihre Daten ihren Kund:innen anzubieten oder neue Erkenntnisse aus ihren Datenbeständen zu erhalten. 

Was auch immer deine konkrete Herausforderung mit Daten ist, wir stehen dir gerne mit unserer Erfahrung und Expertise zur Seite.

Hast du auch einen spannenden Use Case? Let's talk!