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16.03.2026

Sicheres Open Finance braucht die passende IAM-Architektur

Veraltete Sicherheitskonzepte gefährden das Vertrauen im Open Finance. Eine moderne API-Security mit ABAC verhindert Kontrollverlust über Daten und schützt Banken vor komplexen Cyber-Risiken.

Dominik Liebmann, Security Experte von ipt, erklärt IAM Architekturen für sicheres Open Finance.

Die Transformation zu Open Finance gewinnt in der Schweiz stetig an Dynamik. Wie die aktuelle Studie der HSLU zu Erwartungen von Kund:innen belegt, fordern sowohl der Markt als auch 42% der Kund:innen von ihren Retailbanken eine zunehmende Vernetzung von Finanzdienstleistungen ein. 

Für Schweizer Banken bedeutet diese Entwicklung eine Gratwanderung: Sie müssen sich öffnen, d.h. Zugriff auf Daten von Kund:innen ermöglichen, aber gleichzeitig dürfen sie nicht das Vertrauen der Kund:innen aufgrund unzureichender Sicherheitsmassnahmen verspielen.

In der Enterprise Architektur rückt damit die Frage ins Zentrum, wie eine Öffnung der Systeme technisch realisiert werden kann, die keine Kompromisse bei der Cybersecurity eingeht.

API-Security: Warum klassische Schutzmassnahmen versagen

Mit der Zunahme externer Zugriffe steigt die Komplexität der Angriffsvektoren. Gartner-Analysen weisen darauf hin, dass herkömmliche Application-Security-Lösungen für den Schutz moderner Web-APIs oft nicht mehr ausreichen. Jede Schnittstelle stellt einen potenziell einzigartigen Vektor dar, der spezifische Schutzmechanismen erfordert.

Moderne Architekturmuster – von Microservices über Mobile Access bis hin zu hybriden Cloud-Szenarien – erschweren die Absicherung der API-Infrastruktur zusätzlich:

  • Es existiert selten ein einzelner «Gateway-Punkt», an dem Schutzmassnahmen zentral erzwungen werden können.
  • Die Fragmentierung der Angriffsfläche erfordert ein Umdenken weg von perimeter-basierten Ansätzen hin zu einer granularen, identitätsbasierten API-Security-Strategie: Die Identität ist der neue Perimeter
  • Automatisierte Discovery-Tools stossen laut Marktbeobachtern bei der Klassifizierung von APIs oft noch an Grenzen.

Identitätsmanagement als Ankerpunkt einer sicheren Open-Finance-Strategie 

Ein kritischer Baustein jeder Open-Finance-Strategie ist ein robustes Identitätsmanagement (IAM). Bankinstitute operieren meist in einer komplexen IT-Landschaft und historisch gewachsenen Struktur aus internen, externen und technischen Identitäten. Die Herausforderung besteht darin, diese Identitätssysteme so zu orchestrieren, dass eine lückenlose Autorisierung gewährleistet ist.

Dabei stellen sich fundamentale architektonische Fragen für IT-Entscheider:innen:

  1. Kann die Benutzeridentität konsistent vom Frontend bis ins Backend durchgereicht werden (Identity Propagation)?
  2. An welchen Schnittstellen findet der Wechsel auf technische Identitäten statt und welche Sicherheitsrisiken entstehen durch diesen Identitätsbruch?
  3. Ist die Autorisierung tiefgreifend genug, um den Zugriff auf Datenebene (Data-Level Security) präzise zu steuern?
  4. Werden in allen Systemen mit Kund:innendaten, die gleichen Autorisierungsregeln angewendet (Konsistenz)?

 

Ohne eine durchgängige Identitätskette droht der Verlust der Kontrolle über die Datenhoheit. Dies ist jedoch die Grundvoraussetzung, um sicherzustellen, dass nur autorisierte Datenflüsse im Ökosystem stattfinden.

Wandel in der Autorisierung: Von RBAC zu ABAC

Um den dynamischen Anforderungen im Finanzsektor gerecht zu werden, stossen klassische Autorisierungsmodelle an ihre Grenzen. Lange Zeit war die rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) der Standard. In vernetzten Open-Finance-Umgebungen führt dies jedoch häufig zur sogenannten «Role Explosion», welche die Governance unüberschaubar macht.

Hier bietet Attribute-Based Access Control (ABAC) entscheidende technologische Vorteile für die Banking-IT. Statt starrer Rollen nutzt ABAC flexible Richtlinien (Policies), die auf Attributen basieren:

  • Subjekt: Identität, Zertifizierungslevel oder Abteilung.
  • Ressource: Sensitivität des Bankkontos oder Datentyp.
  • Kontext: Zeitpunkt, Ort oder Transaktionshöhe.

Strategische Vorteile von ABAC für Finanzinstitute

Der wesentliche Vorteil von ABAC liegt in der Kontextsensitivität. Ein Zugriff kann dynamisch verweigert werden, wenn die Anfrage beispielsweise aus einer ungewöhnlichen Region oder über ein nicht autorisiertes Gerät erfolgt – selbst wenn die Identität grundsätzlich berechtigt wäre.

Gleichzeitig können konsistente Zugriffsregeln wie, «Berater:innen dürfen die Hypothekardaten von Kund:innen nur während dem Gespräch sehen», über alle Systeme abgebildet werden.

Für die Enterprise Architektur bedeutet dies:

  • Präzisere Compliance: Das «Least Privilege»-Prinzip lässt sich exakt abbilden.
  • Risikominimierung: Betrugsszenarien werden direkt auf Autorisierungsebene blockiert.
  • Skalierbarkeit: Neue API-Konsumenten lassen sich ohne Änderungen an der Kern-Infrastruktur integrieren.
  • Zentrale Kontrolle: Die Vollständigkeit und Korrektheit von Zugriffsregeln kann zentral verwaltet werden.
  • Schnelle Anpassbarkeit: Durch die Trennung von Zugriffsregeln und Applikation muss nicht auf Code Anpassungen bei neuen Finma Vorgaben gewartet werden
  • Bessere Auditierbarkeit: Der Grund für eine erfolgte Transaktion kann nachträglich belegt werden.

Schrittweise Implementierung einer modularen Sicherheitsarchitektur statt Grossprojekt

Der Aufbau einer zentralen Autorisierung muss nicht als hochriskantes, einmaliges Grossprojekt («Big Bang») erfolgen. Ein modularer Ansatz ermöglicht es, bestehende Systeme schrittweise zu integrieren und die Sicherheitsarchitektur parallel zum Wachstum des Open-Finance-Angebots zu skalieren.

IAM eingebettet in Banken-Architektur mit Open Finance Angebot

Ziel ist eine Orchestrierung, die Sicherheit nicht als Hindernis, sondern als Enabler für Innovationen begreift. Fundierte Architektur- und Security-Expertise ist dabei das entscheidende Werkzeug, um die Lücke zwischen funktionaler Öffnung und technischer Absicherung nachhaltig zu schliessen.

Fazit: Sicherheit als Enabler für Open Finance

Sicherheit im Open Finance ist kein statischer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Da automatisierte Discovery-Tools die spezifischen Bedrohungen für APIs noch nicht lückenlos abdecken, bildet eine präzise architektonische Planung den wichtigsten Schutzmechanismus.

Der Schlüssel liegt in der Evolution des Identitätsmanagements: Ein robustes IAM sorgt für die nötige Transparenz, während der technologische Wechsel von starren RBAC-Modellen hin zu dynamischen, kontextbasierten ABAC-Strukturen die nötige Granularität schafft. Nur durch diese tiefgreifende Absicherung der Identitätskette lässt sich die Datenhoheit wahren und das Vertrauen der Kund:innen im digitalen Schweizer Finanzplatz nachhaltig sichern.

Über Dominik Liebmann

Als Principal Consultant befähige ich Organisationen, IT-Sicherheit nicht als Hürde, sondern als Hebel zu verstehen. Mit einem Fokus auf Identity & Access Management helfe ich Teams dabei, Lösungen zu schaffen, die nicht nur sicher und compliant sind, sondern die Mitarbeitende auch wirklich nutzen wollen – weil sie effizient, intuitiv und am Business ausgerichtet sind.

Dominik Liebmann Business