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18.12.2025

Von Copilot zu Architektur, Plattformstrategie & Governance

Yves Brise und Cyrill Rüttimann im Gespräch darüber, wie Unternehmen in der Schweiz mit einer durchdachten Plattform Architektur den nächsten Schritt in der KI-Evolution meistern.

Yves Brise und Cyrill Rüttimann, IT-Experten und Partner bei ipt, sprechen darüber wie Unternehmen den nächsten Schritt in der KI-Evolution meistern.

Einer der interessantesten Trends rund um Künstliche Intelligenz ist Agentic AI. Diese übernehmen Aufgaben und können Entscheidungen treffen. Sie reagieren also nicht mehr nur auf Prompts.

In diesem Blog untersuchen wir, warum Agentic AI für Unternehmen in der Schweiz relevant sind, wie diese in der Praxis eingesetzt werden können und wie eine Agentic Plattform aufgebaut ist.

Yves Brise (YBR): Ich bin Partner bei ipt und beschäftige mich damit, wie wir Technologien wie moderne DatenplattformenGenAI und Agentic AI so gestalten, dass sie echten Nutzen stiften. Mich interessiert besonders, wie man mit Technologie gute Architekturen und Governance bauen kann, die Innovation ermöglicht.

Cyrill Rüttimann (CRU): Als Partner bei ipt arbeite ich an der Schnittstelle von Innovation und Umsetzung. Mich faszinieren Trends, die reale Probleme lösen. Mit Erfahrung in Banking, Cloud und Kubernetes fokussiere ich darauf, neue Ansätze wie Agentic AI sicher und wirkungsvoll zu integrieren.

Warum ist Agentic AI für Schweizer Unternehmen relevant?

YBR: Agentic AI beschreibt im Kern den nächsten Entwicklungsschritt nach den bekannten Copilot-Anwendungen. Es geht nicht mehr nur darum, Informationen zu generieren, sondern darum, dass KI-Agenten Entscheidungen vorbereiten und Prozesse gestalten können. Das geht bis hin zu aktiver Handlung und Autonomie, falls das gewünscht ist.

Für Unternehmen in der Schweiz heisst das: Künstliche Intelligenz wird nicht länger ein isoliertes Tool, sondern ein integraler Bestandteil der Unternehmensarchitektur. Dieser Übergang bringt viele Chancen, aber auch neue Anforderungen an Datenmanagement, Sicherheit und Plattform-Governance mit sich.

CRU: Viele Organisationen stehen aktuell bei «Level 1», also bei Copilot, der in Microsoft 365, AmazonQ oder Google Workspace integriert ist (siehe Abb. 1.). 

Der nächste Schritt ist aber, diese Agenten mit Unternehmensdaten, den APIs der Fachapplikationen und Prozessen zu verbinden. Das ist technisch anspruchsvoller, aber dort entsteht ein echter Mehrwert.

Die vier verschiedenen Levels in denen Agentic AI in Unternehmen eingebunden sein kann, von virtuellen Assistenten zu autonomen Entscheidungen.
Abbildung 1: Die vier Integrationslevel von Agentic AI

Was versteht man unter Agentic Evolution?

YBR: Wir unterscheiden vier Stufen oder Level, wie Agentic AI im Unternehmen integriert sein kann. Das reicht vom Copilot bis zur komplexen Applikationsentwicklung von KI-Agenten (siehe Abb. 1.). 

Diese Evolution ist wichtig, weil sie Orientierung gibt: Man kann klein starten, aber hat immer ein Zielbild vor Augen, das Integration, Sicherheit und Wachstum erlaubt.

Viele Firmen beginnen punktuell mit einem Copilot. Wenn sie später spezialisierte KI-Agenten in die Geschäftsprozesse integrieren wollen (z.B. Fallbearbeitung, Finanzen oder Kundenservice), muss die zugrunde liegende KI-Plattform auf das ausgerichtet sein. 

Darum betonen wir: Diese Stufen sind bis zu einem gewissen Grad aufbauend, aber je nach Ambitionsniveau kann man den Fokus an anderer Stelle legen. Das funktioniert nur, wenn die Plattform Architektur offen, interoperabel und modular gedacht ist.

Wie sieht die Architektur einer Agentic Plattform aus?

CRU: Man kann sie sich als mehrschichtige Architektur vorstellen: Datenplattform, KI-Plattform, Integrationsschicht und eine Plattform für Applikationen und Agenten. Darum herum befinden sich Governance, Security und Monitoring. 

Diese Struktur erlaubt, dass verschiedene Agenten miteinander sprechen, Daten sicher austauschen und über einheitliche Gateways gesteuert werden (siehe Abb. 2).

Aufbau der Architektur einer Agentic Plattform, die erlaubt, dass verschiedene Agenten miteinander sprechen.
Abbildung 2: Agentic Plattform Architektur

Ein gutes Beispiel sind AI-Gateways. Das ist eine neue Produktkategorie. Sie stellen sicher, dass Zugriffe auf Modelle und Unternehmensdaten kontrolliert, nachvollziehbar und sicher sind. 

Man erhält Flexibilität, neue Fondation Modelle oder Tools einzubinden und behält dabei die Kostenkontrolle, ohne die Modell-Schnittstellen anpassen zu müssen.

Wie kann man Innovation rund um Agentic AI fördern, ohne Sicherheit und Konsistenz zu gefährden?

CRU: Das ist tatsächlich eine grosse Herausforderung. Wenn KI-Agenten direkten Zugriff auf Systeme oder sensible Daten bekommen, braucht es klare Guardrails. Das ist sowohl für die Datensicherheit als auch für den richtigen Umgang mit Halluzinationen wichtig. 

Ein AI-Gateway kann hier Quotas, Rollen, Kostenkontrolle und Sicherheitsregeln zentral steuern. Das ist ähnlich wie ein API-Gateway im klassischen Umfeld.

YBR: Wichtig ist auch der kulturelle Aspekt. Governance darf Innovation nicht bremsen, sondern muss sie ermöglichen. Wenn die Regeln und Prozesse klar definiert sind, können Teams innerhalb sicherer Rahmenbedingungen viel freier experimentieren. 

Das ist der Schlüssel, damit Agentic AI in Schweizer Unternehmen nachhaltig Wirkung entfalten kann.

Wo ist aktuell der grösste Nutzen in der Praxis für Agentic AI?

YBR: Wir sehen grundsätzlich grosses Potential in Bereichen, in denen viele Systeme zusammenwirken, um Kundenzentrierte Prozesse zu ermöglichen, etwa bei Banken, Versicherungen oder im öffentlichen Sektor. 

Ein Agent kann Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und eigenständig Aktionen auslösen. Dazu gehört zum Beispiel Tickets priorisieren, Reports erstellen oder Workflows steuern und das ohne notwendigerweise auf den menschlichen Aspekt von Beratung zu verzichten. Im Gegenteil, richtig eingesetzt, ermöglicht KI wieder mehr Kapazität und Möglichkeiten für gute Beratung.

CRU: Und es geht nicht immer um komplett neue Anwendungen. Oft reicht es, bestehende Prozesse durch KI-Agenten zu erweitern. Beispiele dafür sind, dass sie automatisch Kontextdaten liefern oder Entscheidungen vorbereiten. Das kann Produktteams oder Supportorganisationen massiv entlasten und Effizienzgewinne messbar machen.

Wie sieht ein «agentisches Unternehmen» der Zukunft aus?

YBR: KI wird dann weitgehend unsichtbar sein, ist aber eingebettet in jede Anwendung und in jeden Prozess. Agenten agieren als digitale Teamkollegen im Hintergrund, nicht als separate Tools.

CRU: Unternehmen, die es schaffen, Governance, Architektur und Kultur zusammenzubringen, werden Agentic AI produktiv nutzen, ohne dass es sich künstlich anfühlt. 

Das ist das Zielbild: Künstliche Intelligenz als integrierter Bestandteil der Unternehmensarchitektur – sicher, adaptiv und wirkungsvoll.

 

Das Interview führte Monika Spisak, Marketing & Communications ipt.

Über Yves Brise

«Als Partner verantworte ich das Fokusfeld AI & Data und unterstütze Unternehmen dabei, Themen wie AI-Plattformen, Datenplattformen und DWH-Erneuerungen in machbare Roadmaps zu überführen.»

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Über Cyrill Rüttimann

«Neue Technologien entdecken und lernen, um unsere Firma, sowie unsere Kunden weiter zu bringen – das ist meine tägliche Motivation!»

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