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03.10.2025

Zukunft der Finanz-IT: Swiss Digital Finance Conference 2025

Im Gespräch: Dario und Anne von ipt

Ende September fand die Swiss Digital Finance Conference 2025 statt, die sich auf Digitale Transformation, Fintech-Trends und neue Geschäftsmodelle fokussierte.

Anne Scott und Dario Fiore, ipt-Experten für das Bankenwesen, teilen ihre Eindrücke der Swiss Digital Finance Conference 2025.

Dario und Anne von ipt waren vor Ort an der Swiss Digital Finance Conference, um die zentralen Entwicklungen für die Finanz-IT zu analysieren.

Dario Fiore (DFI) ist ein leitender Experte für die digitale Transformation von Finanzdienstleistungen. Er verbindet tiefes Wissen in Cloud-nativer Software-Architektur (Frontends, Microservices, Event-Streaming) und KI-gestützten Lösungen (AI/NLP) mit langjähriger Erfahrung in der Leitung komplexer IT-Projekte und -Teams im Versicherungs- und Bankenumfeld. Seine Kernkompetenz ist es, strategische Business-Anforderungen in zukunftssichere digitale Geschäftsmodelle zu übersetzen.

Anne Scott (ASC) bringt als erfahrene Marketing- und Kommunikationsspezialistin den entscheidenden Kund:innenfokus in die Diskussion, um die Relevanz technologischer Trends für den Markt zu bewerten. Konkret übersetzt sie die technologischen Impulse in marktfähige und für die Kund:innen relevante KI- und Digitalisierungs-Lösungen.

Welche zentralen technologischen Innovationen nehmt ihr aus den Vorträgen des Events mit?

DFI: Die Konferenz hat die fünf zentralen Trends in Digital Finance bestätigt: 

  • Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere Generative AI und Agentic AI
  • DLT & Crypto Finance
  • Open Finance & Embedded Finance
  • Digital Identity
  • Quantum Computing

 

Für uns waren die Geschwindigkeit und die Tiefe der Diskussion um Agentic AI und das Thema Digital Trust am eindrücklichsten. Es geht nicht mehr um einzelne Tools, sondern um tief integrierte Agenten und verlässliche, rechtsverbindliche digitale Transaktionen.

ASC: Genau. Diese Entwicklungen sind keine Insellösungen. Wir haben gesehen, dass der Finanzsektor der Zukunft dort entsteht, wo diese fünf Trends intelligent miteinander verzahnt werden.

Wie lassen sich die Innovationen konkret auf die IT in der Finanzbranche anwenden?

ASC: Nehmen wir Agentic AI: Es geht um einen massiven Sprung in der operativen Effizienz. Gemäss Dr. Plazibat von Finnova kann die IT Bankmitarbeitenden mit KI-Fähigkeiten in drei Bereichen helfen: 

  • Suchfunktionen in natürlicher Sprache (Search),
  • Task-Assistenten für Workflows (Tasks Assistant) und
  • beim Gewinnen von Erkenntnissen zu ihren Kund:innen (Insights). 

 

Das hat gezeigt, wie KI-Bausteine für Automation und Analytics genutzt werden können.

DFI: Und im Kund:innengeschäft liegt der Fokus auf Hyper-Personalisierung, beispielsweise im Wealth Management mit immer kleineren Kund:innen-Segmenten. 

Zudem stellt eine moderne Datenplattform (Lakehouse), hohe Datenqualität und AI Capabilities die Basis dar, um Vertriebsprozesse zu unterstützen. Das bedeutet, den Kund:innen im richtigen Moment den passenden Content über den optimalen Kanal anzubieten, wie Stefan Lüthy von der LUKB dargelegt hat. 

Wo seht ihr, basierend auf den Vorträgen, die grössten Herausforderungen für traditionelle Finanzdienstleister in den kommenden 12 Monaten?

DFI: Die grösste Herausforderung ist hausgemacht: die Datenstrategie. Die Notizen und Podiumsdiskussionen haben klar gezeigt, dass KI datenbasiert ist, aber die internen Daten oft schwer zugänglich sind und eine zentrale, qualitativ hochstehende Datenbasis fehlt. 

Ohne saubere und zugängliche Daten kann KI ihr Potenzial nicht entfalten. Hinzu kommen die Regulierung, wie die europäische DORA, und die Frage der Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit von KI-Entscheidungen.

ASC: Auch das Thema Vertrauen und die notwendige Transformation des Mindsets sind kritisch. Matthias Plattner nannte es ein Signal für die Zukunft: KI übernimmt zwar Tätigkeiten, aber wer baut die Experten für das neue Zeitalter auf? Die IT muss die Governance-Strukturen für KI schnell etablieren.

Welchen aktuellen technologischen Trend haltet ihr nach der Konferenz für den relevantesten Game Changer für die Finanzbranche?

ASC: Eindeutig Agentic AI. Im C-Level-Talk kam der Tenor auf: Es ist kein Hype, sondern «here to stay» und wird in zehn Jahren die «neue Normalität der Geschäftsapplikationen» sein. Kurzfristig sehen wir viel Hype und viele Experimente – nicht alles wird Bestand haben. 

Aber langfristig wird Agentic AI Prozesse und Geschäftsmodelle grundlegend verändern. Der Druck kommt von den Erwartungen der Kund:innen, die KI-Funktionen aus ihrem Alltag kennen und im Banking erwarten.

DFI: Nach der Annahme der E-ID Abstimmung am 28. September wird die Schweizer Self-Sovereign Identity (Swiss eID) kurz- und mittelfristig die Bankprozesse wie Onboarding und KYC-Prozesse sicherer und günstiger machen sowie vereinfachen. 

Gespannt bin ich auch, ob und wie schnell sich Open Finance Modelle wie Multibanking für Endkund:innen (erste Angebote bis Ende 2025 erwartet) etablieren.

Welche Herausforderungen und Chancen seht ihr betreffend Agentic AI für die Finanzbranche konkret?

DFI:

  • Chancen: Produktivitätsschub durch Prozessautomatisierung, verbesserte Kund:innenberatung (Stichwort Insight-Generierung) und neue individuelle Produkte durch die intelligente Verknüpfung von Daten.
  • Herausforderungen: Neben der Datenbasis sehen wir das weiter zunehmende Risiko von KI-getriebener Kriminalität (u.A. durch Agentic AI), Margendruck durch besser informierte und weniger treue Kund:innen (Stichwort Multibanking) sowie die aktuell noch für KI unzureichenden Datenplattformen und Datenzugänglichkeit bei vielen Schweizer Banken.

Wie muss sich die IT-Landschaft bei Banken verändern, um die bevorstehenden Herausforderungen zu adressieren?

ASC: Die IT muss eine AI-first Architektur etablieren, die auf Flexibilität ausgelegt ist, da sich Modelle schnell ändern. Essenziell sind ein starkes AI Governance Layer und die Etablierung einer zentralen Datenbasis

Die Empfehlung war, mit kleinen, überschaubaren Agenten zu starten, die man gruppiert und schrittweise in Applikationen integriert. Es braucht einen Architekturwandel von der monolithischen Applikation hin zu einer durch Agenten unterstützten Service-Plattform.

Welche Best Practices wurden an der Swiss Digital Finance Conference präsentiert?

DFI: Ein wichtiges Best Practice im Umgang mit Large Language Models (LLMs) ist der RAG-Ansatz (Retrieval Augmented Generation). Das bedeutet, KI zur Informationsvorbereitung und Entscheidungsunterstützung zu nutzen, aber keine autonomen Entscheidungen treffen zu lassen, deren Überprüfbarkeit nicht gegeben wäre. 

Zudem der Fokus auf Kund:innenerlebnis (CX) und datengesteuerte Ansätze wie das Next Best Action Modell für den Vertrieb.

Wurden neue oder unkonventionelle Geschäftsmodelle präsentiert, die du besonders interessant und lehrreich fandest? 

ASC: Die spannenden Modelle sind weniger revolutionär neu, sondern basieren auf der intelligenten Verknüpfung der Trends:

  • Embedded Finance, also Finanzdienstleistungen, die unsichtbar in die Prozesse anderer Ökosysteme integriert sind, war ein grosses Thema. 
  • Und der Ansatz der bedingten Zahlungen durch Tokenisierung und QES-Verwendung, wie im Vortrag zum Digitalen Euro vorgestellt, eröffnet unkonventionelle Effizienzgewinne für Transaktionen und Prozesse.

 

DFI: Swissbanking hält DLT (Digital Ledger Technologie, auch Blockchain) & Crypto Finance für das wichtigere Thema als KI. Dabei sind nicht nur Crypto Investments (erst bei 28% der Schweizer Banken möglich) gemeint, sondern auch neue Geschäftsmodelle mit Deposit Tokens, d.h. sichere, programmierbare Transaktionen auf öffentlichen Blockchains nach Schweizer Recht. 

Wo seht ihr abschliessend den grössten Handlungsbedarf für die IT in der Finanzbranche?

ASC: Die Banken müssen sofort an ihrer Datenstrategie arbeiten, um KI überhaupt nutzen zu können. Parallel dazu müssen die IT-Abteilungen die notwendige AI-Governance aufbauen, um Vertrauensverlust und Compliance-Risiken zu verhindern.

Was sind die drei wichtigsten Key Take Aways von der Digital Finance Conference 2025?

DFI:

  1. KI ist die neue Normalität: KI, GenAI und Agentic AI werden die Art und Weise, wie Prozesse und Business-Applikationen entwickelt werden und funktionieren, nachhaltig verändern. Es gibt zwar überhöhte Erwartungen (Hype), aber die Technologie ist da, um zu bleiben.
  2. Daten sind das Fundament: Ohne eine zentrale, zugängliche und qualitativ hochwertige Datenbasis wird jeder AI- und Embedded-Finance-Ansatz scheitern.
  3. Vertrauen entscheidet: Die Elemente von Digital Trust und allen voran die digitale Identität und die qualifizierte elektronische Signatur, sind die Basis für jede effiziente und sichere digitale Transaktion. Die E-ID wird hier ein Enabler sein.

 

Die Swiss Digital Finance Conference, kurz SDFC, ist eine jährliche Veranstaltung der Hochschule Luzern – Informatik. Sie dient der Vernetzung von Akteuren aus dem Schweizer Finanzsektor und bringt die traditionelle Finanzwelt mit den digitalen Herausforderern zusammen. 

Im Fokus stehen die digitale Transformation von Finanzdienstleistungen, neueste Technologie-Trends wie Fintech und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Die Konferenz richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltung sowie Technologie- und Beratungsunternehmen und bietet einen kompakten Überblick über die digitalen Möglichkeiten und Werkzeuge der Branche.

Über Dario Fiore

Als IT-Experte entwickle ich massgeschneiderte Lösungen für und mit Kund:innen in der Cloud. Dank meiner Expertise in Architektur, Security und Cloud finden wir gemeinsam die optimale Lösung.

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Über Anne Scott

Als Expertin im Bereich Marketing und Kommunikation setze ich die Wahrnehmung der Kund:innen in den Fokus, kombinieren sie mit marktrelevanten Trends, damit relevante IT-Lösungen mit echtem Mehrwert entstehen.

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